Good bye VCP

Der VCP Stamm Ravensberg ist am 11. April 1999 aus dem Verband Christlicher Pfadfinderinnen ausgetreten und wurde zur

Christlichen Pfadfinderschaft Ravensberg.

Ein unpolitisch- und gut organisierter Bund wurde geschaffen, der bis heute im Sinne des Pfadfindergründers (Baden Powell) Jugendarbeit ausübt.
Natürlich gibt es für diesen Austritt viele Gründe, die in den folgenden Zeilen erläutert werden sollen:

Lange Zeit waren wir in Verbands- und Landesarbeit aktiv und mit Spaß an der Arbeit dabei. Natürlich waren wir nicht immer bei allen Stämmen beliebt aufgrund verschiedener Ansichten und Meinungen, aber immer im Sinne des gesammten Stammes vertreten.

Versammlungen von Delegierten, Abgeordneten o.Ä. sollen immer den gemeinsamen Interessen dienen, und die Kinder und Jugendlichen mit ihren Interessen repräsentieren und vertreten.

Genau diese Ansicht haben wir immer vertreten.

Auf einer Landesversammlung im Januar 1999 kam es dann im Rahmen einer Unterschriftenaktion des VCP Land Westfalen gegen die Ablehnung der doppelten Staatsbürgerschaft zu einer Diskusion.

Es handelte sich um einen Brief an Herrn Dr. Rüttgers (CDU).
Hier der Inhalt des Briefes vom 10. Februar 1999:
Die VCP Landesleitung des Lands Westfalen schrieb im Namen aller Landesangehörigen:

Sehr geehrter Herr Dr. Rüttgers,

die Landesleitung des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder Land Westfalen nimmt hiermit Stellung zu der Fragebogenaktion der CDU / CSU zur Ablehnung der doppelten Staatsbürgerschaft. Sowohl für den Inhalt als auch in besonderem Maß für die Form Ihrer Aktion können wir keinerlei Verständnis aufbringen. In unseren Augen handelt es sich um einen Scheinplebiszit zu einem Thema, das nach einer sensibleren Umgangsweise verlangt. Wir gehen davon aus, daß sich die Intention des zu unterschreibenden Textes und die Absichten der Mehrzahl der Unterschreibenden unterscheiden. Die Möglichkeit zur Mißdeutung ist so groß, daß sie sich vorwerfen lassen müssen, Menschen mit rechtextremer Gesinnung in ihren Absichten indirekt zu bestätigen und zu bestärken. Wie der Tagenspresse zu entnehmen ist, senkt die Fragebogenaktion "ganz offenbar die Hemmschwelle für ausländerfeindliche Ausbrüche" (Süddeutsche Zeitung vom 18.1.99).

Obwohl sich in dem Fragebogen selbst keine Scharfmacherei oder Hetze erkennen läßt, ist das Resultat deutlich. Einzig und allein rechtsextremen Parteien applaudieren; sie äußern, die CDU habe "ihr Thema" aufgegriffen. Diese Reaktion ist für die CDU sicher unangenehm, aber sie war vorhersehbar! Das Resultat der Kampagne macht jede in der CDU vorhandene Bestrebung zu einer Politik, die ein gleichberechtigtes miteinander in Deutschland lebender Menschen zum Ziel hat, zunichte.

Wir rufen sie daher auf: Distanzieren Sie sich von der Aktion! Machen sie deutlich, daß die CDU eine demokratische Partei ist, die nicht die Absicht haben darf, mit fraglichen Mitteln rechtes Wählerpotential für sich zu gewinnen bzw. sich in die Richtung zu bewegen. Was die Aktion Ihrer Partei betrifft, bewerten wir sie nach einem der Bergpredigt entnommenen Maßstab:
"an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen."

Mit freundlichen Grüßen

Bonn, den 10.02.1999 Tilman Gruhn Dirk Rumpff
Leserbrief von Alexander H. Mattner

Erschienen in "Der Schlüssel" Nr. 1 / 1997 - 39. Jahrgang

Anmerkung zur LV (Landesversammlung Januar 1997)

Blinder Aktionismus im VCP oder gezielte politische Beeinflussung

Leider mußte ich auf der letzten LV feststellen, daß die Politisierung von Jugendorganisationen wieder um sich greift. Statt sich auf die wesentliche Arbeit der Pfadfinderbewegung zu konzentrieren, befleißigt man sich im Einüben von parteipolitischer Arbeit. Das Thema der Resolution war gut gewählt und wichtig, trotzdem war der Antrag überstürzt und nicht durchdacht, um als politische Aussage in der Öffentlichkeit ernst genommen zu werden. Meiner Ansicht nach handelt es sich um eine plumpe Art, sein Gewissen zu beruhigen, nach dem Motto "Wenn sich alle zu Wort melden, müssen wir das auch".

Neben der gerechtfertigten Kritik an Herrn Kanther finden sich keine Lösungsansätze oder tiefgreifende Forderungen, die die Situation der hier lebenden ausländischen Mitbürger verbessern. Auch der Aufruf vom VCP Wattenscheid , persönlich auf die ortsansässigen Politiker Druck auszuüben , zeigt, daß wir uns als Pfadfinder massiv in die tages- und parteipolitische Arbeit einmischen sollen. Ein Beispiel für einen durchdachten und konstruktiven Antrag zeigt der Beschluß der Stuttgarter Jungen Liberalen und FDP vom 3. Februar 1997 deutlich, daß es einer tiefergehenden Aussage bedarf um politisch ernst genommen zu werden und um Veränderungen in der Gesellschaft herbeizuführen.

Nicht nur , daß wir mit unserem Antrag weit hinter der Zeit sind, sondern er macht auch deutlich, daß es junge Leute gibt, die im Bereich der politischen Arbeit wesentlich kompetenter sind. Natürlich steht es jedem frei, sich nebenher in einer politischen Organisation oder Interessengemeinschaft zu betätigen, was auch gewiß BiPi`s Interesse gewesen wäre. Wobei man auch davon ausgehen kann, daß in solchen Organisationen die Informationen zu Sachthemen wesentlich besser und detaillierter behandelt werden als bei uns auf einer Landesversammlung.
Was mich aber besonders erschrocken hat, ist die Tatsache, daß es Gruppen gibt, die der Meinung sind, daß wir uns über eine politische Linie in Westfalen Gedanken machen müssen.

Ich frage mich, wie sieht diese politische Linie aus. Welche Farbe soll sie haben? Tragen wir demnächst rote Hemden statt unsere grauen? Die Geschichte hat leider schon oft gezeigt, wozu politisch- fehlgeleitete Jugendorganisationen gebraucht wurden. Auch heute laufen die Falken mit den randalierenden autonomen Castorgegnern mit. Ich hoffe, daß wir nicht irgendwann die VCP-Fahne in solchen Reihen sehen müssen. Weiterhin frage ich mich, warum Jugendliche , die politische Arbeit machen wollen nicht in eine Partei gehen und dort aktiv werden, anstatt den VCP für ihre politischen Vorstellungen zu benutzen.

Haben sie vielleicht Angst, daß sie nicht dieselbe Position in einer Partei erreichen wie sie es bereits im VCP erreicht haben oder sind sie nicht in der Lage, sich in einer demokratischen Parteistruktur einzubringen. Da BiPi und die Weltorganisation eine klare Aussage gemacht haben, daß die Pfadfinderbewegung unpolitisch ist, muß sich jetzt jeder der politische Arbeit macht, den Vorwurf gefallen lassen, Kinder in eine bestimmte politische Richtung zu drängen. Wer in diesem Sinne seine Gruppenarbeit ausrichtet, handelt zutiefst unmoralisch, was einer geistigen Vergewaltigung der uns anvertrauten Kinder gleichkommt. Ich weiß, daß mein Artikel eine Reihe von Angriffs- und Diskussionspunkten bietet und daß man diesem Thema im Rahmen eines Artikels nicht gerecht werden kann. Vielleicht sollte man unter dem Motto "Wie weit darf Politik in der Pfadfinderbewegung gehen?" zu einem Landeskongress einladen.

In diesem Sinne GUT PFAD
Alexander Mattner (VCP Stamm Ravensberg zu Bielefeld Neustadt)

Vgl. scouting 1/1999
(Thema: "Jugendpolit. Wieviel Politik darf`s denn bitte sein?"
und : "Politische Meinung nicht diktieren lassen"
Alle Texte wurden wörtlich übernommen. Verantwortlich für diesen Bereich: Timo Daniel Großmann